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Für mehr Mitsprache beim Einsatz von Algorithmen in der Arbeitswelt

AlgorithmWatch Schweiz startet ein gemeinsames Projekt mit der Gewerkschaft syndicom. Dabei geht es darum, die Arbeitnehmenden zu befähigen, beim Einsatz von algorithmischen Systemen am Arbeitsplatz für ihre Rechte einzustehen und konkrete Handlungsmöglichkeiten abzuleiten.

Eine versteckte offene Kameralinse

Nicht nur die Arbeit an sich wird durch Algorithmen und automatisierte Entscheidungssystemen (automated decision-making, ADM) immer mehr von der Digitalisierung erfasst. Auch die Überprüfung und Evaluation der Arbeitnehmenden geschieht vermehrt durch algorithmische Systeme. Diese fällen nicht selten Entscheide, die weitreichende Konsequenzen für die Arbeitnehmenden haben: Das reicht von der Bewertung von Lebensläufen über die individualisierte Empfehlung von passenden Weiterbildungsangeboten bis hin zur Überwachung der individuellen Produktivität von Mitarbeitenden. Bislang bleiben die Chancen und Risiken solcher Systeme aber sehr abstrakt und es fehlen in der Praxis anwendbare Leitlinien sowie eine Analyse von rechtlichen Lücken und Grauzonen.

«Es steht heute eine Vielzahl von Algorithmen zur Verfügung, um Mitarbeitende zu rekrutieren, ihre Leistung zu messen oder diese zu optimieren. In der besonderen Beziehung zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden können diese Systeme das bestehende Machtgefälle weiter zementieren ­– wenn etwa die Angestellten nicht wissen, wozu, wie und von wem sie eingesetzt werden. Die Position der Arbeitnehmenden muss hier gestärkt werden», betont Angela Müller von AlgorithmWatch Schweiz.

«Wenn Algorithmen an Stelle von HR-Mitarbeitenden entscheiden, dann muss auch hier der Arbeitgeber zur Rechenschaft gezogen werden können für die Auswirkungen der Entscheide auf die Arbeitnehmenden. Deshalb braucht es eine Weiterentwicklung der Mitwirkungsrechte für Gewerkschaft und Arbeitnehmendenvertretung, was wiederum zu einer höheren Akzeptanz für den digitalen Wandel führen kann», ergänzt Daniel Hügli von der Gewerkschaft syndicom.

Deshalb starten AlgorithmWatch Schweiz und die Gewerkschaft syndicom ein gemeinsames Projekt, das sich zum Ziel setzt, die Mitsprache von Arbeitnehmenden beim Einsatz von ADM-Systemen am Arbeitsplatz zu gewährleisten und ihre Rechte zu stärken. Darauf basierend soll der politische Handlungsbedarf aus Perspektive von Beschäftigten und Unternehmen beschrieben werden. Das Projekt startet im November 2022 und dauert bis Februar 2024.


AlgorithmWatch Schweiz betrachtet als zivilgesellschaftliche Organisation Prozesse algorithmischer Entscheidungsfindung und deren Auswirkungen auf Mensch und Gesellschaft. Wir setzen uns dafür ein, dass der Einsatz algorithmischer Systeme uns allen zugutekommt, nicht nur einigen Wenigen, und dass dabei Grundrechte, Demokratie und Gerechtigkeit gewahrt bleiben.

Website Algorithm Watch

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